Charakterisierung der Person Josef K.

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Josef K Charakterisierung – Der Prozess

Josef K Charakterisierung – Einleitung

Der zu Beginn des Romans 30 Jahre alte Josef K. ist die Hauptfigur des Romans „Der Prozess“ von Franz Kafka. K., dessen Nachname dem Leser während des ganzen Romans unbekannt bleibt, wird anfangs aus ungeklärten Gründen in seiner Pension verhaftet. Schon die Anonymisierung des Namens verdeutlicht die Parallelen zu Angeklagten, deren Identitäten in der Öffentlichkeit meist nicht vollständig preisgegeben werden. Außerdem wird nichts über seine äußere Erscheinung berichtet. Als einziger Protagonist welcher in jedem Kapitel vertreten ist und mit allen Charakteren in Interaktion steht, stellt Josef K. somit eine lineare Konstante innerhalb des Romans dar.

Josef K Charakterisierung – Erzählperspektive

Diese Zentralität seiner Person wird durch die Romanperspektive unterstützt. Der monoperspektivische Erzählstil ermöglicht dem Leser ein empathisches Mitfühlen mit Josef K., bindet ihn also dadurch an seine Sichtweise. Während des gesamten Romans erfährt der Leser von keinen Gegebenheiten, die ohne Josef K. stattfanden und befasst sich somit intensiver mit der Zentralfigur K. Obwohl man somit an die Perspektive des Josef K. gebunden ist, ermöglicht die nüchterne Erzählweise ein kritisches Reflektieren und gewährt dem Leser eine ausreichende Distanz.

Josef K Charakterisierung – Vor der Verhaftung

Bevor K. am Morgen seines 30. Geburtstages verhaftet wird, führt er ein karriereorientiertes Leben. Als Angestellter einer erfolgreichen Bank legt er besonderen Wert auf seinen beruflichen Erfolg. Dies kontrastiert seinen einfachen Lebensstil, da Josef K. in der Pension der Frau Gruber lebt. Bei der Arbeit jedoch zeichnet ihn ein hohes Maß an Organisation, Energie und Ehrgeiz aus. Gleichzeitig weist er allerdings einige soziale Defizite auf, da er scheinbar nicht in der Lage ist, zwischenmenschliche Bindungen einzugehen. Seine sozialen Kontakte beschränken sich fast ausschließlich auf eine sich wöchentlich treffende Stammtischrunde, die Prostituierte Elsa und den Bankdirektor. Nachbarn bedeuten ihm ebenfalls wenig, der Wunsch nach Kontakt entsteht wenn überhaupt eher impulsiv: „Er hatte kein besonders Verlangen nach [Fräulein Bürstner], er konnte sich nicht einmal genau erinnern, wie sie aussah, aber nun wollte er mit ihr reden..“. (S.28 Z.8-13)

Auch familiäre Beziehungen bestehen kaum; sein Vater ist gestorben und seiner Mutter kommt mit wenigen Erwähnungen ebenfalls nur eine sehr kleine Rolle innerhalb des Romans zu. Der Besuch seines Onkels nach K.’s Verhaftung ist ebenfalls lediglich darauf zurückzuführen, dass dieser einen Ansehensverlust der gesamten Familie, nicht aber das persönliche Wohl seines Neffen fürchtet. Trotzdem genügt diese scheinbare Isolation den Bedürfnissen K.s.

Josef K Charakterisierung – Nach der Verhaftung

Aufgrund seiner nüchternen, analytischen Art sieht K. die Verhaftung zunächst als etwas Nichtiges bzw. einen Spaß an: „..war es eine Komödie, so wollte er mitspielen“ (S. 10 Z. 31f.). Da er in seiner Arbeit nicht gestört wird, setzt bei ihm der Prozess der Verdrängung ein und er misst dem Prozess keine große Wichtigkeit bei. Zu Beginn hinterfragt er kritisch die Legalität und die Verfahrensweisen der gerichtlichen Bestimmungen, während er von seiner eigenen Unschuld überzeugt ist. Im Laufe der Handlung verstrickt er sich allerdings immer weiter in seine eigenen Aussagen, welche ihn umso mehr in die Fänge der Justiz zu lenken scheinen. Nichtsdestotrotz beginnt er sich für die unbenannte Tat schuldig zu fühlen, sodass er am Ende des Romans seine Hinrichtung nicht nur hinnimmt sondern sogar freiweillig begeht.

Josef K Charakterisierung – Zusammenfassung

Zusammenfassend lässt sich Josef K. also als ein gesellschaftlich isolierter, aber zufriedener Mann beschreiben, der ein hohes Maß an Egoismus und Energie aufweist. Dies wandelt sich im Laufe der Handlung allerdings zu einem selbstzerstörerischen Verhalten, da seine Suizidgedanken zunehmen und er mit dem Gedanken spielt, sich mittels eines Messers selbst umzubringen: „K. wusste jetzt ganz genau, dass es seine Pflicht gewesen wäre, das Messer, als es von Hand zu Hand über ihm schwebte, selbst zu fassen und sich einzubohren“ (S.222 Z.19-22). Schlussendlich stirbt er jedoch durch die Exekution einen Tag vor seinem 31. Geburtstag.

One Comment

  1. “Dies kontrastiert seinen einfachen Lebensstil, da Josef K. in der Pension der Frau Gruber lebt.”
    (Josef K Charakterisierung – Vor der Verhaftung: Zeile 2f.)

    Seine Vermieterin heißt nicht Frau Gruber, sondern Frau Grubach.

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