Mendel Singer – Charakterisierung – Hiob

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Charakterisierung Mendel Singer Einleitung

Mendel Singer ist der Vater der Familie Singer und die Hauptfigur in Hiob. Er ist zu beginn des Romans 30 Jahre alt und wird vom Erzähler als  “ganz alltäglicher Jude” beschrieben, der “fromm, gottesfürchtig und gewöhnlich” (S.7) ist. Er wohnt mit seiner Familie in Zuchnow, einer Kleinstadt in Russland und verdient seinen Lebensunterhalt indem er als Lehrer Kleinkindern Wissen über die Tora vermittelt. Der Unterricht findet bei ihm zu Hause statt und er erhält nur wenig Geld und Anerkennung für seinen Beruf. Er kann seine Familie nur schwer ernähren und dies führt vor allem bei seiner Frau Deborah zu Unzufriedenheit.

(Beachte:  Mendel ist kein Lehrer, wie man sich das heutzutage vorstellt: Er ist ein Melamed, der schlechtbezahlteste Lehrer im Judentum mit sehr geringem sozialen Ansehen. Dies erklärt auch, warum Mendel Singer nicht der schriftlichen Sprache mächtig ist).

Mendel Singer Aussehen und Glauben

Auch sein äußeres Erscheinungsbild passt zu dem Bild eines gewöhnlichen Judens. Er trägt einen typischen Vollbart, einen schwarzen Hut und den landesüblichen schwarzen Kaftan. Sein Tagesablauf ist von seinem starken Glauben geprägt: Er gehorcht den Bestimmungen der Tora, hält die Gebetszeiten ein und besucht regelmäßig die Synagoge. Er hat die Auffassung, dass man sich dem “Willen des Himmels” ergeben muss und nicht gegen das Schicksal ankämpfen soll. Diese fatalistische Haltung führt auch dazu, dass er die Behandlung Menuchims durch einen Arzt ablehnt.

Mendel Singer in Amerika

Mendel Singer beschäftigt sich nicht mit der amerikanischen Kultur und möchte sich nicht integrieren. Auch seine Beziehung zu Deborah verschlechtert sich weiterhin, bis sie schließlich in getrennten Zimmern schlafen. Auch auf die Schicksalsschläge, die seiner Familie widerfahren, reagiert er zunächst gleichgültig. Nachdem er jedoch seine kranke Tochter Mirjam in der Zelle besucht hat, ändert sich seine Haltung zu Gott. Er kann keinen Zusammenhang mehr zwischen seinem Verhalten und den Bestrafungen durch Gott erkennen und lehnt sich gegen Gott auf. Er legt seine Rituale ab und nimmt sich vor, seine Gebetsutensilien zu verbrennen. Er führt dies jedoch nicht durch, was andeutet, dass er sich nicht komplett von Gott abwendet. Er sündigt bewusst, in dem er Schweinefleisch isst.

Mendel Singer – die Rückkehr zu Gott

Als sich mit Kriegsende die Prophezeihung des Rabbis bewahrheitet, kehrt Mendel Singer zu Gott zurück. Er sieht die Genesung Menuchims als Zeichen für Gottes unbegreifliche Güte an und versöhnt sich mit Gott.

Mögliche Einleitung

Wenn ihr eine Charakterisierung erstellt, müsst ihr diese einleiten. Die Einleitung enthält die wichtigsten Daten über das Werk (in diesem Fall “Hiob”) und eine kurze Zusammenfassung.

Beispielhaft ausformuliert:

Der Roman „Hiob“ von Joseph Roth handelt von der Leidensgeschichte eines Juden namens Mendel Singer, dessen Glauben durch schwere Schicksalsschläge auf eine harte Probe gestellt wird.

Das Buch ist in zwei Teile aufgeteilt, der erste Teil spielt in Russland, der zweite in Amerika.

Mendel und seiner Familie geht es in ihrem Heimatdorf sehr schlecht, sie leiden an Armut, ein Sohn ist im Krieg verschollen und der andere nach Amerika ausgewandert. Der Sohn in Amerika möchte die Familie zu sich holen und Mendel und seine Frau Debora willigen ein. Mendel hofft, dass es seiner Familie im neuen Land besser gehen wird. Sie lassen den kranken Sohn Menuchim bei Nachbarn, da sie ihn wegen seiner Krankheit nicht mitnehmen wollen. Doch auch Amerika verhilft nicht zum Glück, seine Frau und sein Sohn sterben, die Tochter Mirjam wird verrückt und muss in eine psychiatrische Anstalt. So verliert Mendel nach und nach die Hoffnung und da er keine Schuld bei sich sehen kann, wendet er sich von Gott ab. Die Geschichte endet mit einem Wiedersehen von Mendel und Menuchim, der genesene und beruflich erfolgreiche Sohn holt ihn zu sich und sorgt für ihn.

Formulierung einer Arbeitshypothese

Bevor ihr mit der Charakterisierung anfangt, formuliert eine Arbeitshypothese, die ihr am Ende eurer Charakterisierung auf ihre Standfestigkeit prüft.

Beispielhaft ausformuliert:

Roth will dem Leser das Leid der Juden nahebringen und schafft deswegen mit Mendel eine Identifikationsfigur, die nicht einmalig und individuell gestaltet ist, sondern gewöhnlich und beispielhaft für viele ähnliche Schicksale sein soll. Meine Arbeitshypothese stützt und gründet sich auf seine Lebensumstände, charakterliche und äußerliche Eigenschaften, seine Lebenseinstellung sowie Religiosität. 

4 Comments

  1. Es wird Mendel nur nachgesagt das er schweinefleisch isst.
    Im Buch wird erwähnte das er darüber nachgedacht hat, als entgültige ablehnung seines Gottes, er führt es jedoch nie durch.

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